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Buchrezension Arthrose - Vorbeugung und Selbsthilfe bei Gelenkschmerzen

Jakobe

Bekanntes Mitglied
Heilpraktiker
#1
Arthrose

Vorbeugung und Selbsthilfe bei Gelenkschmerzen
Kompakt-Ratgeber

Autor: Dr. med. Eberhard J. Wormer

Erschienen 2018 im Mankau Verlag; 126 Seiten

Der Autor studierte Germanistik, Geschichte, Sozialwissenschaften und Medizin. Nach der Approbation und Promotion arbeitete er als Arzt und in medizinischen Verlagen. Heute ist er als er als Journalist, Buchautor und Herausgeber tätig.

Im kurzen Vorwort wird dargestellt, dass Arthrose im Prinzip fast jeden im Laufe des Lebens betrifft, jedoch längst nicht jeder mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu kämpfen hat. Und dass man vor allem selbst dafür sorgen muss, seine Gesundheit und Gelenkfunktion zu erhalten. Indem man aktiv wird – mit einem passenden Bewegungsprogramm, gesunder, vollwertiger Ernährung, optimaler Nährstoffversorgung und mehr Gelassenheit.

Die Einleitung stellt klar, dass Arthrose durchaus keine moderne, neue Zivilisationskrankheit ist, sondern auch an Skeletten unserer Vorfahren Schäden an Muskeln und Gelenken festgestellt wurden. Allerdings trägt der heute häufige (moderne) Lebensstil – Stress, Bewegungsmangel, Fastfood und Übergewicht – wesentlich dazu bei, dass Arthrose durchaus als Volkskrankheit wahrgenommen wird.

Die moderne Medizin hat in den letzten Jahrzenten große Fortschritte in der Behandlung von degenerativen Gelenkerkrankungen gemacht. Hier reicht das Spektrum von Injektionen in die Gelenkkapsel bis zum vollständigen Gelenkersatz. Viele Ärzte und Patienten betrachten Arthrose als unvermeidlichen „Altersverschleiß“ und die „neue Hüfte“ oder das „neue Kniegelenk“ stehen sehr hoch im Kurs.

Ein kleiner Abschnitt innerhalb der Einleitung arbeitet auch die wirtschaftlichen Hintergründe heraus, die in immer kürzerer Zeit zu künstlichen Gelenken raten und greifen lassen. Fast könnte man meinen, ein künstliches Gelenk gehört im Laufe des Lebens „einfach“ dazu. An der Stelle wird im Buch jedoch klar gewarnt, dass totaler Gelenkersatz immer noch ein schwerer operativer Eingriff mit entsprechenden Risiken ist.

Auf der Strecke geblieben sind dabei die Möglichkeiten, Arthrose wirksam vorzubeugen. Genau an dieser Stelle setzt der vorliegende Ratgeber an und stellt die Optionen vor, was jeder einzelne in jedem Fall selbst tun kann.

Nach Vorwort und Einleitung gliedert sich das Buch in zwei große Themenkomplexe:

1. Teil Grundwissen Arthrose
2. Teil Do it yourself – Arthrose vorbeugen und behandel.


Der erste Abschnitt leitet ein mit der Darstellung, was nach heutigem Wissenstand bei der Arthrose passiert, zu welchen Veränderungen es im Verlauf dieser Erkrankung im Gelenk kommt und welche Folgen das für den Betroffenen hat. Enthalten ist auch hier nochmals ein Abriss über oft zu schnelle oder gar unnötige operative Eingriffe als hochprofitables Geschäftsmodell zu Lasten bewährter gelenkerhaltender Therapien.

Dem folgt die Erarbeitung, wie Gelenke generell aufgebaut sind, aus welchen Bestandteilen und Gewebearten Gelenke bestehen. Daran schließt sich eine Übersicht über die wichtigsten Gelenke, deren Aufbau, Aufgaben und Funktionsweise an.

Der letzte Abschnitt innerhalb des ersten Themenkomplexes stellt nun detailliert die Arthrose, deren bekannte ursächliche Faktoren, die Veränderungen im Gelenk heraus. Hier wiederholen sich teilweise Ausführungen aus Vorwort und Einleitung, was beim Lesen ein wenig Unübersichtlichkeit bringt. Es wird geschildert, woran man eine Arthrose erkennen kann und durch welche Faktoren sie sich von der Arthritis unterscheidet. Den Abschluss bildet eine Checkliste, anhand derer man sein persönliches Arthroserisiko einschätzen und nach einem Punktesystem bewerten kann. Diese Checkliste ist der Webseite der Rheuma-Liga entnommen.


Der zweite große Themenkomplex des Buches beginnt mit der Vorbeugung von Knorpelstress. Beste Option dazu: Bewegung, Bewegung und Bewegung. Nach allgemeinen Empfehlungen für das Bewegungstraining, Schilderung, wie auch Arthrosepatienten davon profitieren können, folgen Trainingsvorschläge im Sinne von verschiedenen Trainingsarten (Kondition, Dehnung, Kraft etc. pp.), als auch konkrete Übungsvorschläge für einzelne Körperregionen.

Anschließend folgen Übungsvorschläge für das Training im Wasser und gehen weiter über Yoga, Qigong, Tai-Chi. Die nächsten Seiten beschäftigen sich mit Möglichkeiten des Stressabbaus über Progressive Muskelrelaxation, Feldenkrais und Autogenes Training. Eine Trainingseinheit der AT-Grundstufe ist zum Selbstlernen ins Buch aufgenommen. Abschluss bilden einige Aspekte aus der TCM inklusive einiger Akupressurpunkte zur Unterstützung und eventueller Schmerzlinderung.


Die Darstellung und Beschreibung einzelner Übungen erscheint mir hier und da etwas schwer nachzu-vollziehen. Eventuell haben Menschen, die diesbezüglich eher ungeübt sind, Probleme, die Übungen exakt auszuführen und damit positiv für sich zu nutzen. Im Gegensatz dazu empfinde ich andere Übungen wiederum als zu „leicht“, um effektiv eine Wirkung im Bewegungsapparat zu erzielen. Hier ist sicherlich zu differenzieren, ob es für den jeweiligen Leser um Vorbeugung geht oder bereits ein geschädigtes Gelenk mit Schmerzsymptomatik vorliegt. Auch Altersunterschiede und inwiefern der Übende anderweitig Sport treibt, müssen hier definitiv berücksichtigt werden.

Ausführungen über den Knorpelschutz durch gesunde Ernährung und Gelenkentlastung durch Gewichtsreduktion (hier wird die LOGI-Methode herausgegriffen und näher erläutert; leider fehlt ein Hinweis auf andere/weitere Methoden und auch Vor- und Nachteile verschiedener Ernährungsmodelle) leiten über zum letzten großen Teil des Ratgebers.

Ausführlich werden auf den nächsten Seiten die verschiedensten Vitalstoffe und Vitamine, die den Gelenkschutz unterstützen können, vorgestellt. Von den verschiedenen B-Vitaminen, über die Vitamine C, E, K und D zu Bor, Kupfer, Magnesium, Selen, Zink, Omega-3-Fettsäuren, Chondroitin, Clucosamin, Hyaluronsäure und Kollagen-Hydrolysat.

Jeder einzelne „Stoff“ wird kurz vorgestellt, hinsichtlich seiner Wirkung im Körper und in den Gelenken,
die Höhe des täglichen Bedarfs, die Symptome, wenn ein Mangel vorliegt und sofern möglich, über welche Nahrungsmittel die Aufnahme möglich ist.


Bei den Vitaminen ist zwar jeweils erwähnt, ob sie fett- oder wasserlöslich sind, mir fehlt an der Stelle jedoch die deutliche Nennung der damit verbundenen Konsequenzen. Gerade die konkrete Empfehlung für die Einnahme von Vitamin D (über etwa vier Wochen 10.000 bis 20.000 IE pro Tag, danach 2.000 bis 6.000 IE pro Tag) sehe ich eher kritisch. Es sind zwar Laborgrenzwerte und der Verweis auf Selbsttests bei cerascreen oder medivere aufgeführt und im Impressum ist auch der Hinweis auf die Grenzen der Selbstbehandlung (verbunden mit der Aufforderung, bei Erkrankungen einen Arzt oder Heilpraktiker aufzusuchen und dem Haftungsausschluss von Verlag und Autor) klein abgedruckt. Aber hier sehe ich die Gefahr, dass Laien eventuell diese Hinweise nicht lesen und in der Meinung, sich und ihrem Körper etwas Gutes zu tun, über das Ziel hinausschießen. Gerade beim Vitamin D ist die Möglichkeit durch ein "zuviel" eher Schaden anzurichten nicht von der Hand zu weisen.

Insgesamt liegt hier ein sehr kompakter Ratgeber vor.

Hin und wieder erscheint er beim Lesen durch Wiederholungen oder Passagen, die an der falschen Stelle stehen, etwas unübersichtlich. So ist zum Beispiel beim Artikel zu „Zink“ zu lesen: „In Bezug auf die Arthrosevorbeugung hat die antioxidative Selenwirkung größte Bedeutung. Selen schützt Komponenten der Knorpelmatrix … .“ Auch die Zusammenfassung der wichtigsten Fakten eines Abschnittes mittels einer tabellarischen Darstellung, in der dann aber schon Elemente enthalten sind, die erst im Folgenden behandelt werden, macht die Bearbeitung an der einen oder anderen Stelle etwas holprig.

Im Großen und Ganzen wird jedoch auf relativ wenigen Seiten eine Fülle von Informationen, Wissen und konkreten, im Alltag durchführbaren Handlungsvorschlägen zu dem sehr komplexen Thema Arthrose geboten.

Bezugsquelle: amazon
 
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