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Luxusproblem?

ThomasA

Aktives Mitglied
Heilpraktiker
Ort
Kevelaer
Therapien
Hypnose, Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie
Status
HPP
Guten Morgen in die Runde.

Im Jahr 2019 eröffnete ich meine Praxis, damals noch für Hypnose Coaching und psychologische Beratung, und sie lief die ganzen letzten Jahre so, dass ich gerade genug zum Leben und gleichzeitig viel Freizeit hatte.

Ich war zwar auf dem Weg zum Heilpraktiker für Psychotherapie (GA Krefeld), doch von der Anmeldung bis zur schriftlichen Überprüfung vergingen gut 2 1/2 Jahre und bis zur mündlichen nochmals 27 Monate.

Am 15.6.2023 hatte ich dann aber endlich meine mündliche Überprüfung und habe nach meinem Urlaub im Juli auch meine HPP Praxis angemeldet.

Meine Klientenzahlen änderten sich dadurch anfangs kaum. Doch etwa seit Jahreswechsel änderte sich dies, so dass ich nun tatsächlich auf zwei Wochen ausgebucht bin und da die meisten meiner Klienten etwa 14-tägig kommen, auch bald anfangen muss, die Warteliste in Lemniscus stärker zu nutzen.

Ausgebucht bedeutet bei mir, dass ich zwischen 8 und 9 Uhr den ersten Klienten empfange und der letzte Klient zwischen 18 und 19 Uhr geht, bzw. freitags zwischen 13 und 14 Uhr.

Zwischen meinen Klienten "gönne" ich mir eine Stunde, in der ich die Doku schreibe, Telefonate und Nachrichten beantworte und mich in den nächsten Klienten einlese.

Wirtschaftlich bin ich gerade begeistert davon, wie es läuft und hätte nie erwartet, dass eine Selbstzahlerpraxis tatsächlich ausgebucht sein kann. Energetisch merke ich jedoch, dass ich leer laufe. Vielleicht, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, so viel zu arbeiten, vielleicht auch, weil ich 2010/2011 in meiner alten Selbständigkeit (Franchisepartner eines großen Handelsunternehmens) in den Burnout rutschte.

Wenn zwischen meinen Terminen Zeit ist, dann schaffe ich es 1-2x am Tag, 5-10 Minuten eine kleine Atemmeditation zu machen.

Jetzt meine Frage an die alten Hasen: wie macht ihr das, wie sorgt ihr für Euch? Bzw. was macht ihr anders, damit die Praxis zwar weiterhin gut läuft, ihr aber nicht ausbrennt?

LG Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Guten Morgen Thomas,

dein Thema ist überhaupt kein Luxusproblem, sondern eins der wichtigsten Themen für alle TherapeutInnen finde ich.
Ich kenne die Begeisterung über die Zahlen und gleichzeitig die drohende Überforderung ziemlich gut :)
Habe meine Praxis jetzt 15 Jahre und vieles ausprobiert und ich glaube da kommt man auch nicht drumrum, für sich eben das beste Modell zu finden.
Ganz klar würde ich sagen, dass Psychotherapie/Beratung anstrengender ist, als z.B. jemanden mit Akupunktur oder so zu behandeln.
Ich habe im letzten Jahr zusätzlich zu meinem TCM-Schwerpunkt angefangen Systemische Beratung anzubieten und anfangs einfach dieselbe Anzahl an Terminen angeboten, wie zuvor für die Körpertherapie und habe ganz schnell gemerkt - da komme ich an bzw über meine Grenze!
Also z.B. konnte ich ohne Probleme 7 oder 8 Akupunktursitzungen am Tag machen, aber wenn 2 oder 3 Beratungen dazwischen sind, bin ich abends völlig fertig.
Und dann ist es wichtig zu akzeptieren: was auch immer ein gutes Maß sein wird - dieses ist es nicht und auf Dauer schaffe ich das nicht.

Meine persönlichen Lösungen sehen so aus:
10-15 Min. Pause zwischen den Terminen (mit Pause meine ich Pause, Doku schreiben und telefonieren ist auch arbeiten!)
maximal 6 Patienten/Klienten pro Tag
ein freier Tag pro Woche
lange Mittagspause mit raus aus der Praxis, was essen, nen Kaffee trinken....

Ja, man verdient dann weniger Geld, wenn man halt einfach weniger Menschen bedient - aber zumindest ich mache keine gute Arbeit mehr, wenn ich zu viele Menschen am Tag sehe und behandle. Das "Laufen" der Praxis beeinträchtigt das ja nicht, du hast höchstens mehr Menschen auf der Warteliste.

Ich finde, das Thema Selbstfürsorge für TherapeutInnen kommt in allen Ausbildungen zu kurz - bzw. gar nicht vor. Das ist ja ein komplexes Thema, in das ja auch das Privatleben reinspielt. Hab ich da auch ständig Menschen um mich? Erlaube ich mir Zeit alleine? Draußen? Natur? Hab ich Hobbys, die ausgleichend und nährend wirken? Damit könnten wir hier alle ein ganzes Wochenseminar machen glaube ich :)

Und wo jeder seine Grenze hat ist völlig verschieden! Jemand schrieb hier im Forum mal, dass er 4 Psychotherapiesitzungen pro Tag als Grenze empfindet und auch das ist in Ordnung und toll, wenn man sein Berufsleben danach ausrichten kann.

In Kurzform gilt zumindest für mich: Ich muss die Anzahl an Patientenkontakten auf ein gewisses Maß begrenzen, damit es mir nicht zu viel ist und ich auch noch ehrliches Interesse an den Menschen mitbringe. Alles andere ist Murks!
 
Danke Vera für Deine Antwort,

Du hast Recht, diese Themen kommen in der Ausbildung überhaupt nicht vor. Dann eher das höher, schneller, weiter...

Ich selbst "schaffe" mit meiner Stunde "Pause" zwischen den Terminen meistens 5 Patienten / Klienten am Tag, bzw. freitags 3. Bei den 5 merke ich ziemlich gut, dass ich an meine Grenze komme. Eine Mittagspause findet nicht statt. Vielleicht sollte ich montags - donnerstags in der Mittagszeit einfach einen 2-Stunden Block einplanen und dann auch mal eine Stunde die Praxis verlassen.

Ablenkung außerhalb der Arbeitszeit ist schwierig, weil meine Praxis nur 5 Minuten von zu Hause entfernt ist, sodass ich auf dem Heimweg noch nicht umschalten kann. Zu Hause angekommen, prasseln natürlich erst einmal die geballten Informationen meiner 4-köpfigen Familie auf mich ein, was mir dann manchmal den Rest gibt.

Vielleicht wäre nach dem letzten Patienten/Klienten ein kleines Feierabend Ritual nicht schlecht, um besser umzuschalten. Also nochmal eine kleine Meditation oder eine Runde Autogenes Training...

LG & danke fürs Feedback!
 
Hallo Thomas,
bitte trete etwas zurück bzw. struktuiere für dich leichter. Es bringt nichts wenn du jetzt Vollgas gibst und dann wieder ausbrennst. Gebe gerne auch Klienten ab wenn es zuviel wird. Finde nicht nur die Ruhe und den Ausgleich sondern auch jemanden zum reden. Es muss keine Supervision sein sondern vll ein Kollege mit dem du dich treffen kannst einmal die Woche und über Dinge sprichst die dich belasten und dann spricht er im Gegenzug. Hast du ein ruhiges Hobby dem du nachgehen kannst?

Liebe Grüße
Melanie
 
Hallo Melanie,

danke für Deine Antwort. Ich habe in der Tat zwei HPP Kolleginnen im Nachbarort, mit denen ich in engem Kontakt stehe. Wir treffen uns regelmäßig zur Intervision und tauschen uns auch sonst fast täglich aus. Patienten, bzw. Themen, die mir nicht liegen, leite ich an beide weiter, allerdings bekomme ich auch von beiden Patienten vermittelt, wenn ein Thema oder Patient ihnen nicht liegt ;)

Ich gönne mir mittlerweile den Luxus, freitags um 14 Uhr die Praxis zu verlassen und versuche auch abends und am WE keine Anfragen mehr zu beantworten. Auch habe ich es mir ja schon so eingerichtet, dass ich zwischen den Patienten eine Stunde Puffer habe. Allerdings liegt in der Zeit auch immer etwas an (Doku schreiben, Doku lesen, Nachrichten beantworten oder einfach mal schnell was sauber machen...)

Ich passe aber auf mich auf und versuche abends und an meinem langem WE einfach nur für meine Familie da zu sein.

Liebe Grüße
Thomas
 
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